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Schausberger: Investitionen
in Osteuropa nur in enger Kooperation mit den Regionen
möglich
Landeshauptmann a. D. Franz Schausberger bei den
Wirtschaftsgesprächen in Alpbach -
Regionalisierung und Dezentralisierung in Europa
stark im Kommen
„Die
politische und wirtschaftliche Bedeutung der europäischen
Regionen, vor allem in den neuen Mitgliedsstaaten nimmt
rasant zu. Ein Investor wird in Zukunft
nicht mehr um die regionalen Verantwortlichen herumkommen.
Diese gesamteuropäische Entwicklung schreitet rasch voran
und bringt auch für die Wirtschaft viele Veränderungen, ist
aber von dieser vielfach noch nicht bemerkt worden“,
erklärte heute, Donnerstag, der frühere Salzburger
Landeshauptmann und nunmehrige Vorstand des Institutes der
Regionen Europas (IRE), Dr. Franz Schausberger als Referent
bei den Wirtschaftsgesprächen des Forum Alpbach.
In Europa
gebe es seit einigen Jahren zunehmend Bestrebungen, die auf
eine Stärkung der regionalen und kommunalen Selbstverwaltung
auch durch Verfassungsänderungen
abzielen – und zwar auch in Ländern, die bei der
Dezentralisierung bisher besonders zögerlich waren.
Derartige Verfassungsänderungen wurden immerhin in rund
dreißig Staaten vorgenommen. Dazu habe
sicher der fortschreitende europäische Integrationsprozess
wesentlich beigetragen und der EU-Verfassungsentwurf
werde diese Tendenz noch verstärken.
Hätten in
der Vergangenheit Unternehmer, die vor allem in Mittel- und
Osteuropa investieren wollten, vor allem den Kontakt zu den
politischen und administrativen Zentralstellen in den
Hauptstädten gesucht, werde man in Zukunft ohne die
regionalen Behören und politischen Verantwortlichen auf
regionaler Ebene nicht mehr durchkommen, erklärte
Schausberger. Mit der von den Zentralregierungen
vorgenommenen politischen Regionalisierung und
Dezentralisierung steige auch das Selbstbewusstsein der
regionalen Politiker in politischen und wirtschaftlichen
Angelegenheiten. „Das sieht man allein aus der Tatsache,
dass nun immer mehr Regionen der neuen Mitgliedsstaaten ihre
eigenen Büros in Brüssel eröffnen, um besser zu den
Informationen und zu den Fördertöpfen für regionale
Infrastrukturprojekten zu kommen“, betonte der
Ex-Landeshauptmann.
Die im
Kommunismus zentralistischen Staaten begannen in den letzten
Jahren in Erkenntnis ihrer eigenen Überforderung, politische
und wirtschaftliche Zuständigkeiten zu
dezentralisieren und die politisch-administrativen
Strukturen zu regionalisieren. Zuständigkeiten im Bereich
des Gesundheitswesens (Spitäler, ärztliche Versorgung,
Rettungsdienste etc.), Flughäfen, im Bildungswesen wurden an
die neu geschaffenen Regionen übertragen. Dabei wurde
naturgemäß versucht einzusparen, die
Regionen aber nicht mit ausreichenden finanziellen Mitteln
ausgestattet. „Nun haben diese die Kompetenzen aber nicht
ausreichende Mittel zur Finanzierung. Sie suchen daher
dringend nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten und
Fördermittel seitens der EU. Die EU ihrerseits versucht nun
auch immer mehr, ihre Fördermöglichkeiten auf die
Notwendigkeiten der Regionen auszurichten. Die Regionen
suchen intensiv nach Möglichkeiten grenzüberschreitender und
transregionaler Kooperationen“,
erklärte Schausberger.
Es sei ein
gravierender Mangel in der neuen Verfassung, dass nicht auf
die grenzüberschreitende und interregionale Zusammenarbeit
eingegangen werde, obwohl diese Kooperationen heute längst
an der Tagesordnung sind. Es gibt weder ein klares
Rechtsinstrument noch einen Rahmen für die erfolgreichen
Euregios, für Regionen- und
Städtekooperationen oder ähnliche Formen der
grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, obwohl Europa
auf eine lange Tradition der interregionalen Kooperationen
zurückblicken kann. „Diese
transregionalen Kooperationen stellen eine wichtige
Grundlage der europäischen Integration dar
und gewinnen im Zusammenhang mit der neuen
Nachbarschaftspolitik eine zunehmende, auch wirtschaftliche
Bedeutung. Eine entsprechende Rechtsgrundlage dafür ist
daher unverzichtbar“, schloss Schausberger.
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